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GESCHICHTE - STERNENNATIONEN
Bisher gibt es eine ganze Reihe von Sternennationen, die bisher erwähnt wurden. Unter den genannten Sternennationen gibt es einige Nationen, die wichtige Schlüsselrollen spielen oder gespielt haben:
1. Königreich Manticore
Die Geschichte von Manticore begann genau genommen im Jahre 774 P.D., als die Manticore Colony Ltd. die Rechte an dem Doppelsternsystem Manticore A und B erwirbt. Ein Jahr später startete das erste Schiff mit Kolonisten. 640 Jahre später erreichte das Schiff den Planeten Manticore und die Kolonisten begannen mit der Besiedlung des Planeten. Aufgrund einer Seuche starben in den ersten zehn Jahren sechzig Prozent der Bevölkerung; erst danach gelang es den Wissenschaftlern, die Seuche unter Kontrolle zu bringen. Aufgrund der stark geschwundenen Bevölkerung schickte Manticore Company Ltd. ein weiteres Schiff von der Erde nach Manticore. Aufgrund der Entwicklung des Warshawski-Segels dauerte die Reise allerdings nur ein Jahr anstelle von 640 Jahren. Mit der zweiten Welle von Kolonisten trafen auch der Hauptmann- und der Harrington-Clan ein.
Mit der Wahl des Manticore-Systems landeten, wie sich nachträglich herausstellte, die Kolonisten einen Volltreffer: Zum einen besitzt das binäre Sternensystem (das bisher in dieser Form einzigartig ist) drei bewohnbare Planeten, zum anderen ganze Fünf Wurmloch-Termini (siehe Weltraum / Wurmlöcher). Letztere führten zu einem enormen wirtschaftlichen Aufschwung von Manticore, da die Termini von einer Vielzahl von Schiffen benutzt werden, die Zölle für ihre Passage an Manticore entrichten. Ein Nachteil der Termini sind jedoch die enormen Summen, die die Verteidigungsanlagen rund um die Wurmlöcher verschlingen. Die gewaltigen stationären Anlagen verbrauchen fast ein drittel des gesamten Verteidigungsetats von Manticore, sind aber auch notwendig, um mögliche Gefahren, die durch ein Wurmloch kommen könnten, sofort abwehren zu können. Zur Zeit durchfliegt alle drei Minuten ein Schiff einen Termini. Die fünf Termini liegen alle innerhalb einer Lichtsekunde im Manticore-A-System.
Die beiden Sternensysteme, die zu Manticore gehören, werden als Manticore-A und Manticore-B bezeichnet. Manticore, der Planet, auf dem sich die Regierung und der größte Teil der Bevölkerung befindet, ist der dritte Planet im System A und wird deshalb auch als Manticore-A-III bezeichnet. Der Planet hat einen Durchmesser von ca. 26000 Kilometern und die Planetenoberfläche besteht zu drei vierteln aus Wasser.
Der zweite bewohnbare Planet, Sphinx (Manticore-A-IV) ist der vierte Planet im System A und mit 33000 Kilometer wesentlich größer als Manticore. Aufgrund seinerGröße herrscht auf dem Planeten eine Schwerkraft von 1,35g und die Jahreszeiten sind im Vergleich zum gemäßigten Klima auf Manticore recht streng; die Wirtschaft auf Sphinx besteht in erster Linie im Bergbau (Abbau von Mineralen). Hervorzuheben ist die intelligente einmalige einheimische Lebensform auf dem Planeten: Die Baumkatzen (siehe Geschichte / Allgemeine Begriffe). Ein großer Teil der Bevölkerung auf Sphinx wurde genetisch auf die Planetenverhältnisse optimiert (genau wie Honor Harrington). Bei dieser Optimierung besitzen die Menschen Muskeln, die ein viertel effektiver arbeiten. Ebenso wurden die Knochen, das Atemsystem und der Blutkreislauf verstärkt. Um die verstärkten Körperfunktionen auch mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen, sind diese Menschen gezwungen, wesentlich mehr Nahrung zu sich zu nehmen, als gewöhnliche Menschen. Trotz aller Vorteile, besitzt diese Optimierung auch einen wesentlichen Nachteil: Fast 80 Prozent der Bevölkerung sprechen aufgrund der genetischen Veränderungen nur schlecht oder gar nicht auf Standard-Regenerations-Therapien an. Aus diesem Grund besitzt auch Honor Harrington nicht die Möglichkeiten, die Nerven ihrer einen Gesichtshälfte regenerieren zu lassen, die nach ihrem Unfall auf Grayson beschädigt wurden.
Der dritte und letzte bewohnte Planet in den Manticore-Systemen ist Gryphon (Manticore-B-IV). Die Ausmaße des Planeten entsprechen eher der Erde, aber die Neigung seiner Rotationsachse von 27 Grad führt zu extremen schweren Umweltbedingungen. So zeichnen starke Stürme den Planeten aus. Die unterschiedlichen Rotationszeiten der drei Planeten ist wie folgt:
| Planet |
Tag in T-Stunden |
Jahr in Ortstagen |
Jahr in T-Tagen |
Jahr in T-Jahren |
| Manticore |
22,45 |
673,31 |
629,83 |
1,73 |
| Sphinx |
25,62 |
1783,28 |
1903,65 |
5,22 |
| Gryphon |
22,71 |
650,46 |
615,51 |
1,69 |
Das Königreich Manticore entstand ca. 1471 mit Roger I. Ihm folgten eine Reihe von weiteren Königen und Königinnen. Die Regierungsform entspricht in etwa dem Englands von Alt-Erde Anfang des 20. Jahrhunderts.
| Monarch |
Jahr (PD.) |
| Roger I. |
1471 - 1474 |
| Elizabeth I. |
1474 - 1507 |
| Michael |
1507 - 1539 |
| Edward |
1539 - 1544 |
| Elisabeth II. |
1544 - 1601 |
| David |
1601 - 1642 |
| Roger II. |
1642 - 1669 |
| Adrienne |
1669 - 1681 |
| William I. |
1681 - 1690 |
| William II. |
1690 - 1741 |
| Caitrin |
1741 - 1762 |
| Samantha I. |
1762 - 1785 |
| George |
1785 - 1802 |
| Samantha II. |
1802 - 1857 |
| Roger III. |
1857 - 1883 |
| Elizabeth III. |
seit 1883 |
Das Haus Winton auf Manticore
Die Regierung des Königreichs Manticore besteht aus folgenden Teilen: Die Königin oder der König, das Oberhaus, das Unterhaus, der königliche Kabinett, sowie den königlichen Gericht.
Obwohl sich das Sternenkönigreich im Endeffekt auf ein Sonnensystem beschränkt, ist es innerhalb eines Umkreises von 500 Lichtjahren die drittreichste Sternennation. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen übertrifft es sogar die Solare Liga (Stand 1906 PD), was in erster Linie an der Existenz des Wurmlochknotens liegt.
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2. Volksrepublik Haven
Obwohl die Sonne Haven 667 Lichtjahre von Alterde entfernt ist, also 155 Lichtjahre weiter als Manticore, landete das erste Shuttle auf ihrem bewohnbaren Planeten, der ebenfalls Haven heißt, schon 1309 PD, also ein Jahrhundert, bevor Manticore besiedelt wurde. Ermöglicht wurde dieses Paradoxon durch die Beschleunigung, die das Warshawski-Segel für die Logistik der Kolonisation bedeutete. Ein Tag auf Haven ist 24,56 T-Stunden lang, sein Jahr dauert 412,25 Ortstage. Man unterteilt es in 13 Monate: 9 zu 32 Tagen, 4 zu 31 Tagen; die kurzen Monate sind der 3., 5., 10. und 12. Alle vier Jahre hat der 3. Monat 32 Tage.
Haven liegt in einer besonders attraktiven Umgebung mit einem ungewöhnlich hohen Anteil an F-, G- und K-Sternen. Die ersten Siedler waren außerordentlich gut ausgestattet, denn die Besiedlung wurde von einem Konsortium aus elf Unternehmen finanziert, die auf Mitgliedswelten der Solaren Liga ansässig waren. Darüber hinaus erwies sich der Name Haven für den Planeten als höchst passend, denn irdische Lebewesen passten sich der Umgebung mit minimalen Aufwand an. Sein Klima kann man geradezu als idyllisch bezeichnen. Indem eine ausgeklügelte PR-Maschinerie Havens Vorzüge pries, zog die neue Siedlungswelt Möchtegernpioniere aus der ganzen Liga magnetisch an. Durch die Verfügbarkeit der neuen Hyperschiffe wuchs die Kolonie mit unglaublicher Geschwindigkeit. Um 1430 PD (also knapp 120 Jahre nach der Besiedlung des Planeten), konnte sich die Republik Haven einer Planetenbevölkerung von fast einer Milliarde Menschen rühmen. Die Welt begann, eigene Kolonisten auszusenden, die in Folge den Raumsektor besiedelten, der später als Haven-Quadrant bekannt werden sollte - trotz der Tasache, dass sechs andere Systeme des Sektors vor oder gleichzeitig mit Haven besiedelt worden waren. Um 1475 PD zeigte sich bereits deutlich, dass die haventitische Wirtschaft und Regierungsform in den vergangenen Jahrzehnten außerordentlich effektiv gewesen waren. Als Staatsform wählte Haven eine repräsentative Demokratie mit einer starken, politisch sehr aktiven Mittelschicht. Die Wirtschaft verfolgte einen liberalen Kapitalismus, in den sich die Regierung so wenig wie möglich einmischen sollte. Im Verein mit der Starthilfe durch die günstigen Anfangsbedingungen der Kolonie, schuf die Kombination aus Wirtschaftlichkeit und flexibler Regierung einen planetaren LebensStandard, der zumindest ebenso hoch war wie der auf den meisten Mitgliedswelten der Solaren Liga. Im eigenen Quadranten wurde Haven zum Gegenstand des Neides und zum Leitbild jeder anderen Welt.
In den nächsten beiden Jahrhunderten erfüllte Haven immer mehr die Hoffnung, die man sich bei seiner Gründung gemacht hatte, und wuchs an, bis die Systembevölkerung fast 7 Milliarden Menschen zählte. Es wurde zu einer Art interstellaren Athen. Obwohl sich der Haven-Quadrant aus unabhängigen Welten und Sonnensystemen zusammensetzte, konkurrierte er bereits mit der solaren Liga um die wirtschaftliche Führungsrolle und blieb ein pulsierender auf Ausdehnung bedachter Körper, ganz anders als die grundsätzlich saturierte, zufriedene Liga. Obwohl der Quadrant keinen Wurmlochknoten aufweist, besaß er Zugang zum manticoranischen Nexus (und später zum Erewhon-Knoten), also eine schnelle Verbindung mit der Liga. Alles schien darauf hinzudeuten, dass die Ausdehnung des Quadranten und sein Wohlstand bis in alle Ewigkeiten zunehmen würde.
Doch das war nicht der Fall. Ein bestimmtes Ereignis zu benennen, das an der sich entwickelnden Misere Schuld sein sollte, ist sicherlich unmöglich, doch allgemein gesprochen muss man die Fehlentwicklung wohl dem zu großen Erfolg anlasten: Dem Quadranten und insbesondere dem Planeten Haven ging es zu gut. Havens Reichtum war unermesslich, und allmählich erschien es ungerecht, dass dieser Reichtum sich nicht gleichmäßiger verteilte. Wie immer hatte der Kapitalismus auch hier eine Klassengliederung geschaffen, die von den sehr Reichen zu denen klaffte, die am Existenzminimum oder sogar darunter lebten. Allerdings musste in die Rechnung einbezogen werden, wie Existenzminimum definiert war: Dem Haveniten, der unterhalb des Minimums leben musste, ging es zwar weitaus schlechter als seinen wohlhabenderen Mitbürgern, aber erheblich besser als einem Bürger Neu-Berlins vor der Ankunft Gustav Andermans.
Daher begann die Republik - zunächst vorsichtig - zu experimentieren und führte Hilfs- und Wohlfahrtsprogramme ein, durch die für die benachteiligten Mitbürger zusätzliche Chancen geschafft wurden. Doch was als Experiment begann, entwickelte sich allmählich zu etwas Größerem. Für den Unterhalt der Ärmsten wurden die Unterstützungsschecks immer wichtiger, sodass den produktiven Elementen der Gesellschaft mehr abverlangt werden musste. Knapp an der Rentabilitätsgrenze operierende Industrien wurden durch Schutzzölle, Regierungsdarlehen und unverhohlene Zuschüsse zur Vollbeschäftigung ermutigt, was Gesamteffizienz und Produktivität unterminierte und die Inflation vergrößerte. Die Inflation aber verschlimmerte wiederum gerade die Situation der Armen, die nun noch höhere Unterstützungsleistungen benötigten - Leistungen, die man schon bald automatisch an die Inflationsrate anpasste und die schließlich, als das Hilfsnetz zu wuchern begann, zu einem Grundrecht wurden für alle, die darauf angewiesen waren. 1680 PD hatte Haven seine berühmten Wirtschaftsgrundrechte verabschiedet, denen zufolge alle havenitischen Bürger einen unveräußerlichen Anspruch auf einen LebensStandard haben sollten, der per Gesetz von der Legislative festgelegt und an die Inflation angepasst werden musste.
Doch gerade damit hatte die Regierung eine niemals enden wollende Spirale ausgelöst, in der auf Inflation höhere Unterstützungsleistungen folgten, was einen defizitären Haushalt zur Folge hatte, der wiederum die Inflation antrieb. Und die Regierung hatte sich dadurch, wenngleich zunächst unbeabsichtigt, ihrer eigenen Grundlage beraubt. Die Mittelklasse, das traditionelle Rückgrat der Republik, stand unter zunehmenden Druck von oben und von unten: Die Gesellschaftsklasse saß zwischen einer zunehmend unproduktiven Wirtschaft und immer höheren Abgaben gefangen, mit denen das Wohlfahrtssystem finanziert wurde. Während die Mittelklasse in der Oberklasse einst schlimmstenfalls freundliche Rivalen gesehen hatte und bestenfalls Verbündete im Ringen um Prosperität, musste sie bald die Reichen ebenso wie die Armen als Feinde betrachten, die ihr den schwindenden Wohlstand abringen wollten. Darüber hinaus war auch der alte Traum der Mittelklasse, in die Oberklasse aufzusteigen, zu einem immer ferneren Gespinst verkommen. Es ist stets leichter, denen zu grollen, die mehr besitzen, als denen, die noch weniger haben als man selbst - eine Tendenz, die sich auch in Haven immer deutlicher abzeichnete, je mehr aufgeklärte Kommentatoren und Akademiker sich beherrschende Positionen in den Medien und im Bildungssystem errangen.
Am schlimmsten von allem war aber wohl das Entstehen der Dolisten-Blöcke. Noch immer waren die Dolisten (ein Begriff, der sich vom englischen Wort für Sozialhilfe oder Stütze dole ableitet), die im mehr oder weniger großen Rahmen von der Regierungsbeihilfe lebten, wahlberechtigte Bürger, doch sie unterstützten freilich den Kandidaten, der ihnen das beste Angebot machte. Eine Frage des Eigeninteresses, mehr nicht, doch so kam es, dass das Eigeninteresse der Dolisten sich immer mehr mit dem den immer ehrgeiziger werdenden Politikern verflocht. Eine neue Klasse Systempolitiker entstand, der Dolisten-Manager, welcher in die Rolle des Königmachers schlüpfte, indem er gefügigen Kandidaten gewaltige Stimmblöcke zuschanzte. Amtierende Würdenträger begriffen bald, dass ihre Wiederwahl im Grunde von der fortwährenden Unterstützung dieser Manager abhing - und das auch der umgekehrte Fall eintrat: ein Politiker, war zum Untergang verurteilt, wenn das Quorum des Volkes ihn aufs Korn nahm (Quorum ist die offizielle Bezeichnung für den Bund der Dolisten-Manager). Als die Führer des Quorums sich ihrer Macht bewusst wurden, wählten sie bestimmte Politiker aus, statuierten an ihnen ein Exempel und demonstrierten damit allen anderen unmissverständlich, welche Macht das Quorum repräsentierte.
Und zu guter Letzt, als wollte man dadurch den systemweiten Ausbruch von Massenirrsinn krönen, hingen die allermeisten derer, die erkannten, dass etwas verkehrt lief, einer Verschwörungstheorie an, der zufolge die Probleme der Republik Haven durch irgendjemandes Intrigen zustande kamen - vermutlich entstammten die Intriganten der eigenen Geldklasse oder fremden Industrien, die ihre billigen und minderwertigen Produkte auf den havenitischen Markt waren. Noch üblere Auswirkungen zeitigte der Gedanke: Uns würde so etwas gar nicht erst widerfahren, wenn wir in allen Punkten recht hätten, der sich Mitte des 18. Jahrhunderts PD in den allermeisten politischen und gesellschaftlichen Analysen Havens festgesetzt hatte. Diese Tendenz zum Masochismus prägte sich nur umso stärker ein, als es auf den Jahrhundertwechsel zuging.
Um 1750 PD war die Republik, die nun nicht mehr Republik Haven, sondern Volksrepublik Haven hieß, zur Gefangenen des Quorums und einer Koalition aus Berufspolitikern geworden (um genau zu sein, Politikern, die sich nie für einen anderen Beruf qualifiziert hatten und auch keine Aussichten mitbrachten, für andere Tätigkeiten je fähig zu sein). Beihilfe erhielt die Volksrepublik von einer moralisch und intellektuell bankrotten akademischen Welt und den Massenmedien, die als Weltanschauung die Wünsche des Quorums wiedergaben und notfalls durch Erpressung zum Schweigen gebracht wurden. Denn dass das Quorum es durchsetzten konnte, Journalisten auf eine schwarze Liste zu setzen, hatte es bereits 1746 PD am Exempel Adele Wassermans deutlich gemacht, einer der letzten gemäßigten Berichterstatter. Ihre gemäßigte Position, die nach den Standards des 17. Jahrhunderts noch als leicht links von der Mitte eingestuft worden wäre, galt im 18. Jahrhundert als konservativ, zumeist sogar als reaktionär. Man nannte sie die Feindin des Durchschnittsbürgers, Sklavin der Geldmächtigen und (damals das herabsetzendste Etikett auf Haven) eine Angehörige der Wirtschaftselite. Ihr Arbeitgeber, eine der letzten unabhängigen Nachrichtenagenturen, sah sich gezwungen, ihr aufgrund von sozial unsensibler und unangebrachter Demagogie den Vertrag zu kündigen, denn der Agentur drohten Boykott, Streik und Regierungsdruck. Auf ihre Entlassung hin zog Wasserman ins Sternenkönigreich von Manticore, wo sie als führende Theoretikerin der Zentralistenpartei Karriere machte. Der Fall Wasserman war für jeden, der Augen hatte, um zu sehen, das Menetekel, die Schrift auf der Wand: Wenn nicht etwas Außerordentliches der Entwicklung Einhalt gebot, war das gegenwärtige havenitische System zum Untergang verurteilt.
Ein ähnliches Problem hatte auf Alterde zum Untergang des Römischen Reiches geführt: Wenn die Macht im Land auf Brot und Spielen beruht, dann müssen die Machthaber immer größere Anreize bieten, um an der Macht zu bleiben. Bildlich gesprochen benötigten die havenitischen Politiker einen bodenlosen, stets gefüllten Haushaltstopf, um die Dolisten auszubezahlen, die Schmiergelder aufzubringen und das Leben zu finanzieren, an dies sie gewöhnt waren. Nach fast zwei Jahrhunderten immer tieferer und ausnahmslos selbst beigebrachter Wunden konnte selbst die einst so robuste Wirtschaft die Last nicht mehr tragen. Es wurden politischen Machthabern immer klarer, dass das Gefüge selbst in der Krise steckte: Seit über 143 T-Jahren hatten die Steuereinnahmen nicht mehr die Staatausgaben gedeckt; Forschung und Entwicklung krankten an einem zunehmend politisierten (und daher ineffektiven) Bildungssystem, das mehr den pseudowissenschaftlichen Unsinn der kollektivistischen Wirtschaftstheorie lieferte statt solider wissenschaftlicher Ausbildung. Die wenigen tüchtigen Abgänger zog es zunehmend in andere Sonnensysteme, wo sie ihr Talent und ihre Wissen zur Anwendung bringen und die Fürchte ihrer Arbeit genießen konnten. Das Gesetz zur Erhaltung des Technischen Bestands von 1778 entzog allen Wissenschaftlern und Ingenieuren die Ausreisegenehmigung, indem es ihr Wissen als Ressource der Republik verstaatlichte. Das Gesetzt sollte die Auswanderung eindämmen, doch vermochte es die fatale Entwicklung nicht umzukehren.
Das Wirtschaftswachstum war nicht nur zum Stillstand gekommen, es war rückläufig. Dennoch ließen sich Erhöhungen des Lebenshaltungszuschusses politisch nicht aufhalten; die daraus resultierende Stagflation wurde zur sich selbst unterhaltenden Reaktion. 1771 PD lag der Legislatorenkammer ein streng geheimes Gutachten vor, demzufolge die gesamte Wirtschaft in einer Katastrophe zusammen brechen würde, gegenüber der sich die Weltwirtschaftskrise von Alterde und der Ökonomische Winter von 252 PD wie milde Rezessionen ausnehmen würden. Als die Chefs der Stäbe vom Ausmaß des zu erwarteten Kollapses unterrichtet wurden, warnten sie davor, dass ihm kriegsähnliche Zustände auf den Straßen vorausgehen dürften, weil Havens Bürger zur Waffe greifen würden, bevor sie zusahen wie ihre Familien verhungerten. Schon lange war die Bevölkerung des Planeten zu gross, als dass sie ohne Importe ernährt werden konnte, und bei einer negativen Handelsbilanz konnten Importe nicht mehr bezahlt werden.
Die Regierung sah nur zwei Auswege: die bittere Pille zu schlucken und aufzuhören, den Haushalt zu überziehen, den LHZ abzuschaffen und sich nach Kräften zu bemühen, die resultierende umwälzende Neuordnung zu überstehen, oder eine andere Einkommensquelle zu finden, um das Budget abzustützen. Einzugestehen, dass die Regierung nicht mehr für die Zinsen von Havens verpfändeter Zukunft aufkommen konnte, war mehr, als man verkraften konnte, und damit blieb nur die zweite Alternative als Möglichkeit übrig. Aus der desolaten Wirtschaft Havens ließ sich indes nichts mehr herausquetschen. Von Panik erfüllt, regte eine Gruppe Legislatoren an, drakonisch die Reichen auszubluten, doch die Mehrheit erkannte deutlich dass dieses Patentrezept höchstens kosmetische Wirkung gehabt hätte. Abgesehen davon, dass die Legislatoren selbst große Summen auf die Seite geschafft hatten, bildeten die Reichen einen Anteil von weniger als 0,5% der Gesamtbevölkerung, und eine Beschlagnahme gleichkommende Besteuerung hätte nur eine zeitweilige Entlastung bedeutet - für die man damit gezahlt hätte, dass man sowohl zukünftige Invenstoren verhinderte und die höchste Steuerklasse als langfristige Einkommensquelle ausschaltete, die ohnehin schon 92% auf Privateinkünfte und 75% auf Investitionserlöse zu zahlen hatte. Eine sich selbst erhaltende Steuergrundlage bestand in einer starken Mittelklasse, doch gerade die Mittelklasse war systematisch zerstört worden; ihre letzten Reste waren viel zu klein, um die gegenwärtigen Ausgaben der Regierung auch nur ansatzweise zu finanzieren, und so verhielt es sich schon seit fast einen Jahrhundert.
Damit bleib nur ein einziger Weg zu den dringend benötigten Einnahmen, und mit Unterstützung des Quorums setzte die Regierung an, ihn unter dem Namen DuQuesne-Plan zu beschreiten.
Die erste Stufe bestand in einem Verfassungsabkommen, durch das die Havenitische Verfassung tiefgreifend umgeschrieben wurde. Während der Anschein einer Demokratie aufrecht erhalten wurde, erzeugte die neue Verfassung eine legislative Diktatur mit erheblicher Mitgliedschaft, indem sie die Vorraussetzungen der Wählbarkeit und die nötigen Qualifikationen für ein Amt neu fasste und der Legislatorenkammer das Recht verlieh, auch einen ordnungsgemäß gewählten Vertreter abzulehnen, wenn es ihn als persönlich für das Amt ungeeignet befand. In der zweiten Stufe wurde das Haushaltsdefizit nicht etwas begrenzt, sondern erweitert. Infolgedessen wurde das Militär enthusiastisch in einer Weise erweitert, wie man sie in Friedenszeiten noch nie erlebt hatte. 1846 PD schließlich konnte die dritte Stufe ausgelöst werden, mit der Einkünfte aus einer völlig neuen Quelle herangeschafft werden sollte: durch kriegerische Eroberung.
Den ersten Angriffen trat praktisch kein Widerstand entgegen. Der Quadrant war so sehr an Haven als Verkörperung des Ideals gewöhnt, nach dem die Menschheit insgesamt streben sollte, dass man seinen beständigen Verfall völlig verkannt hatte; seine Problem waren zwar bekannt gewesen, in ihrer Schwere indes weit unterschätzt worden. Allgemein war man der Meinung, dass Haven seine Probleme leicht in den Griff bekommen könne, wenn es nur einmal mit dem eisernen Besen Kehraus mache. Zum großen Teil glaubten Havens Nachbarn also, Haven befinde sich auf dem richtigen Kurs und sei nur zeitweilig ein wenig aus dem Ruder gelaufen; viele der Nachbarwelten befanden sich Lemmingen gleich sogar in den Frühstadien der gleichen, katastrophalen Entwicklung. Zwar hatte die plötzliche Aufrüstung Havens einige Besorgnis hervorgerufen, doch wer befürchtet hatte, dass die stets friedliche Volksrepublik Angriffe plane, war rasch als Panikmacher verschrieen worden. Davon abgesehen spürten die anderen Sonnensysteme eine angespannte wirtschaftliche Entwicklung und man benötigte das Geld, das Kriegsschiffe und Truppen kosteten, dringend für die Wohlfahrtprogramme.
Damit hatte die Volksflotte freies Schussfeld. Zwischen 1846 und 1900 PD, in kaum mehr als fünfzig Jahren also, eroberte Haven jedes einzelne Sonnensystem im Umkreis von einhundert Lichtjahren und gemeindete jedes einzelne davon zwangsweise in die neue, interstellare VRH ein, die von der nun offen erblichen Legislatur des Haven-Systems regiert wurde.
Leider mussten die Legislaturisten schon bald feststellen, dass die Eroberung nicht die Lösung bot, auf die sie gehofft hatten. Gewiss, die Wirtschaftlichkeit der eroberten Welten lies sich ausplündern, doch wenn man keine Massenaufstände provozieren wollte, geriet man rasch an einer Grenze, bis zu der und nicht weiter man die unterworfenen Ökonomien schröpfen konnte. Außerdem kostete die Militärmaschine, die man benötigte um Welten zu erobern und anschließend unter Kontrolle zu halten, erheblich mehr, als ursprünglich veranschlagt. Das war ganz besonders der Fall, nachdem die bislang noch nicht eroberten Welten aufwachten und ebenfalls aufrüsteten. Trotz aller Anstrengungen blieben die havenitischen Bilanzen weiter in den roten Zahlen; aus den verfügbaren Ressourcen ließen sich das Militär und die unterworfene Bevölkerung einfach nicht zugleich finanzieren. An der Heimatfront sah es so aus, als trete eine positive Wende ein, doch jeder Bürger, dem alle Informationen zugänglich waren, wusste genau, dass es eben nur so aussah. Kurz gesagt gab es für die Volksrepublik nur zwei Möglichkeiten: weiterhin zu expandieren oder zusammenzubrechen.
Und deshalb hatte die Volksrepublik im Jahre 1900 PD keine andere Wahl, als nach neuen Fronten zu suchen, an denen sich siegen und plündern ließe... und sie fand, genau vor ihrer Nase, zwischen sich und den Welten, die sie erobern musste, ein kleines, aber wohlhabendes Sternensystem, dass allgemein bekannt war als das Sternenkönigreich von Manticore.
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3. Grayson
Der Planet Grayson wurde 988 PD. von den ersten Siedlern unter der Führung von Austin Grayson kolonialisiert. Austin Grayson war auch Gründer der Kirche der Entketteten Menschheit, die noch heute auf Grayson und Masada integraler Bestandteil der Gesellschaft ist.
Grayson ist der einzig bewohnbare Planet innerhalb des Jelzin-Systems. Von seinen Ausmaßen und seiner Schwerkraft ist der Planet Alt-Erde sehr ähnlich. Ein großer Teil der Vegetation auf dem Planeten scheint in einem satten blaustichigen Grün, dass den Planeten vom Orbit aus sehr attraktiv erscheinen lässt. Allerdings sind seine Umweltbedingungen erheblich schlechter als die der Erde und beeinflussten die Graysonitische Gesellschaft dadurch erheblich. Der Planet ist reich an Schwermetallen, wie Arsen, Cadmium, Quecksilber und Blei und jegliches Wasser oder Nahrung, die auf dem Planeten angebaut und in die Nahrungskette gerät, muss lange dekontaminiert und gereinigt werden. Auch jeglicher Hautkontakt muss vermieden werden.
Um 1902 betrug die Bevölkerung des Planeten etwa zwei Milliarden, von denen etwa dreiviertel weiblich sind. Die Bevölkerung Graysons ist sehr stark religiös und verließ die Erde, um die Technik, die damit verbundene Weiterentwicklung hinter sich zu lassen und zu einem natürlichen Leben zurückzukehren. Doch die Graysons entdeckten schnell, dass sie nicht lange auf dem unwirtlichen Planeten überleben konnten. Die Durchschnittserwartung auf Grayson betrug bis vor Kurzem (1902 PD) noch 70 Jahre und die häufigste Todesursache war Lungenkrebs. Die erste Generation auf Grayson brachte im Durchschnitt von drei Geburten ein lebendes Kind zur Welt und die Hälfte der Säuglinge war so schwer geschädigt, dass sie das Kindesalter nicht überlebten. So entwickelten sie Viren, die die Bevölkerung resistenter gegen die strengen Umweltbedingungen machten. Der Nebeneffekt war, dass sich die Anteile von Neugeborenen bezüglich ihres Geschlechts verschoben. Kurz nach dem Tod von Austin Grayson, änderten Mayhew und Yanakov (die Vorfahren von Mayhew IX und Bernard Yanakov, 1902 PD) Doktrine dahingehend, dass ein Leben mit der Technik erlaubt sei. Siebenhundert Jahre lebte das Volk auf dem Planeten, bis weitere Kolonistenschiffe die umgebenden Sternensysteme erreichten. Zu dem Zeitpunkt entwickelten sich langsam zwei Gruppierungen innerhalb der Bevölkerung. Die eine, stark konservativ, verabscheute jegliche Art der Technik, die andere war demgegenüber wesentlich moderater eingestellt.
Bis zum Bündnisvertrag 1902 PD mit Manticore, waren auf Grayson (und Masada) die Rechte der Frauen sehr stark eingeschränkt. Arbeitende Frauen, gar Frauen in der Marine oder der Infanterie waren bis zu dem Zeitpunkt undenkbar. Auf Masada werden Frauen sogar bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt gezwungen, einen Schleier zu tragen. Auf Grayson änderte sich nach dem Vertrag die Einstellung gegenüber der Frauen jedoch langsam und spätestens nach Honors Einsatz für Protector Mayhews Leben, wurden Frauen in der RMN zumindest akzeptiert. Der Grund für den Umgang mit den Frauen liegt jedoch in der Vergangenheit des Planeten. So machten die Männer die Frauen dafür Verantwortlich, dass Gott ihnen einen schönen Planeten verweigert hatte und dieser zweiten Sündenfall der Frau (nach dem ersten Fall von Eva) rechtfertigte den Männern, insbesondere später auf Masada, dem Umgang mit ihren Frauen. Die Konservativen, die sich selber auch die Wahren Gläubigen nannten und auch noch heute auf Masada nennen, versuchten die gemäßigten von ihrer Meinung zu überzeugen, jedoch ohne Erfolg. Die konservative Gruppe entwickelte daraufhin Waffen, um ihrem Feind zu bekehren. Doch eine Frau namens Barbara Bancroft verriet die Konservativen. Anstatt auf einen großen Kampf einzugehen wurde ein Kompromiss geschlossen: Die Gruppe von ca. 50000 Konservativen mussten den Planeten in einem Kolonie-Schiff verlassen und auf dem Planeten Masada im Endicott-System im Exil leben. Nach diesem Verrat der Frau, wurde Barbara Bancroft von der graysonitischen Seite als eine Art von Jungfrau von Orleans betrachtet, eine Frau, denen die Graysons ihr Überleben verdanken. Von Masadanischer Seite aus, wurde sie zum Symbol des zweiten Sündenfalls, der Beweis für die Verderbtheit, die allen Frauen innewohnt. Bei den Graysons waren Frauen nun nicht mehr länger der Besitz des Mannes und sie entwickelten genaue Verhaltensregeln, wie sie zu beschützen und zu ehren waren. So besteht für einen Mann die Gefahr, gelyncht zu werden, wenn er eine graysonitische Frau in aller Öffentlichkeit beleidigt. Trotz des Beispiels der Mutter Graysons redeten sie sich ein, es geschehe zum Besten der Frauen, weil sie schwächer seien, weil sie zu viele andere Bürden zu tragen haben, als dass man sie zwingen könne, zu wählen, Eigentum zu besitzen oder gar in den Streitkräften zu dienen. Aus diesem Grund konnten sich die Graysons mit der Vorstellung, dass eine Frau wie Honor Harrington eine Führungsposition inne hat, nur sehr langsam anfreunden, denn sie wiederlegte damit all die Vorstellungen der Graysons von Weiblichkeit und wies sie daraufhin, dass ihre Religion falsch war und das Volk seit Jahrhunderten im Irrtum lebte. Aus diesem Grunde brauchten die Graysons Zeit, diesen Irrtum zugeben zu können. Doch nach und nach änderten sie, zumindest ein Teil der Bevölkerung, langsam (im Vergleich zu dem Zeitraum ihrer Geschichte allerdings relativ schnell) ihre Ansicht gegenüber Frauen. So wurden 1903 PD sogar die ersten Frauen zum Militärdienst auf der schnell anwachsenden Flotte Graysons zugelassen, wenn es auch keine einheimischen Frauen waren.
Doch der Bündnisvertrag mit Manticore 1902 PD brachte den Graysons noch viel gewaltigere Vorteile. Die relativ rückständig ausgerüstete Navy (siehe Marine / Raumschiffe / Schiffe der Sternennationen) entwickelte sich dank der manticoranischen Technik sehr schnell weiter. Doch die Graysons kopierten nicht einfach die Pläne der Manticoranischen Schiffe, sondern entwickelten ihr eigenes Design. Innerhalb von einem Jahr bauten die Graysons drei moderne Orbitalwerften mit einem Durchmesser von mehr als acht Kilometer. Aber auch in punkto LebensStandard änderte sich viel für die Graysons. Spätenstens nach der Einführung der Glas-Kuppeln durch Honors eigens dafür eingerichtete Firma (Grayson Sky Domes Ltd.), war es den Graysons möglich, unter gigantischen Kuppeln auf dem Planeten zu wohnen und ohne Atemgeräte auf dem Planeten leben zu können.
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4. Solare Liga
Die Solare Liga besteht aus den ältesten Siedlungswelten der Menschheit und umgibt das Sol-System in einem Radius von etwa 98 Lichtjahren. Obwohl Alterde der Hauptplanet der Liga ist, nimmt die Liga nur den Status eines Ersten unter Gleichen ein, denn ihre ehemaligen Kolonien blicken auf Jahrhunderte (wenn nicht sogar mehr als ein Jahrtausend) der Unabhängigkeit von der Mutterwelt zurück und waren nicht willens, ihre Souveränität aufzugeben, als die neue Sternnation sich konstituierte.
Infolgedessen ist jede Mitgliedswelt der Solaren Liga innenpolitisch vollkommen autonom. Insbesondere besitzt der Ministerrat der Liga, die höchste Regierungsinstanz, keinerlei Weisungsbefugnis, was die Innenpolitik der Mitgliedswelten betrifft. Nur auf nationaler Ebene tätig, besteht der Ministerrat aus Delegierten aller Mitgliedswelten, und jede dieser Welten besitzt ein Vetorecht. Unter solchen Umständen müsste jede Zentralregierung es eigentlich sehr schwierig finden, einen stringenten politischen Kurs beizubehalten, doch es existieren ausgleichende Kräfte.
Zum einen sind die meisten Ligaplaneten dicht bevölkert, wohlhabend und zufrieden. Sie verfolgen eine auf Konsens beruhende Innenpolitik, sowohl lokal, als auch für die Liga als Ganzes, in denen Dispute, die ein Veto hervorrufen könnten, außerordentlich ungewöhnlich sind.
Zum anderen arbeiten die Ligawelten ihre Reiberreihen größtenteils in den außerpolitischen Debatten ab, denn die Außenpolitik betrachtet man gemeinhin als Gebiet, auf dem Prinzipientreue gewahrt werden kann. Die meisten Staatsleute der Liga sehen zwar deutlich, dass diese Attitüde eine zusammenhängende Militärpolitik und Diplomatie unmöglich macht, doch ist die Liga riesig: Mit der größten Ansammlung von Reichtum in der Geschichte der Menschheit (und einer Bürgerschaft, die fast 2/3 der Spezies Mensch umfasst), fühlt sie sich jeder äußeren Bedrohung gewachsen. Die Navy der Liga ist die größte der Galaxis, und der Gedanke, dass irgendeine denkbare Kombination äußerer Mächte die Sicherheit der Liga bedrohen könnte, ist völlig unvorstellbar.
Und obwohl jede Mitgliedswelt ein Vetorecht besitzt, verfügt der Ministerrat des Weitern über ein wirksames Gegenmittel: Mit einer 2/3-Mehrheit kann der Rat jeden Planeten seine Mitgliedschaft in der Liga aberkennen. Dieses Mittel ist bislang nicht benutzt worden, doch allein durch die Androhung, es einzusetzen, hat sich im Laufe der Jahrhunderte so manch halsstarriger Abgeordnete zur Räson bringen lassen.
Obwohl die Liga aus genannten Gründen keine wirklich stringente Außenpolitik verfolgen kann, blickt sie auf eine fast ununterbrochene Expansionsgeschichte zurück. Von Zeit zu Zeit beantragt eine unabhängige Welt die Aufnahme in die Liga, und solche Ersuchen werden fast immer angenommen. Gleichzeitig ist der Liga jeder organisierte Imperialismus unmöglich. In gewisser Weise kann man die Liga als isolationistisch ansehen: Sie ist bereit, mit jedem Partner Handel zu treiben, und stellt nach wie vor die wichtigste Quelle für Siedler neuer Kolonien dar, doch gibt sie sich damit zufrieden, sich aus allen Machtkämpfen herauszuhalten, die in anderen Teilen der Galaxis herrschen. Dennoch haben die Größe der Liga, ihre Macht und ihre Gewohnheit, Anträge um Aufnahme zu erhalten, dem Gebilde das Gefühl verliehen, sein Schicksal stehe unverrückbar fest: Am Ende würden alle ihre Nachbarn den Vorteil der Ligamitgliedschaft erkenne und ihr beitreten (was bislang von den Ereignissen immer wieder bestätigt worden ist). Daher besteht für die Liga nicht der geringste Grund, irgendjemanden erobern zu wollen, denn das Verstreichen der Zeit und die Unausweichlichkeit der friedlichen Expansion lösen das Problem letztendlich von selbst.
Schon immer hat es jedoch zwei Ausnahmen von dieser anti-imperialistischen Politik der Liga gegeben. Zum einen stellt die Liga schon seit langem immer wieder nahegelegene Welten unter ihren Schutz, die als unterentwickelt gelten. Auf der Grundlage, dass solche Planeten Piratenüberfällen und oder wirtschaftlicher Ausbeute durch weniger prinzipientreue interstellare Mächte schutzlos ausgeliefert sind, erscheint diese Handlungsweise zunächst als völlig gerechtfertigt - doch bietet gerade dieser Schutz den Handelshäusern der Liga einen Vorsprung und ebnet den Weg zur Aufnahme des Protektorats in die Liga.
Die zweite Ausnahme besteht darin, dass allen Wurmlochknoten ähnlicher Protektorstatus gewährt wird, wenn die Termini des Knotens im Raumgebiet der Liga liegen oder ihm nahe kommen. Zu diesen Wurmlochknoten gehört der Erewhoner Nexus, der nur knapp hundert Lichtjahre von der Südgrenze der Volksrepublik Haven entfernt ist. Die Republik Erewhon lehnte das Schutzgebot der Liga ob, obwohl man sich der havenitischen Bedrohung durchaus bewusst war. Stattdessen beschloss man sich der Manticoranischen Allianz anzuschließen und auf die Royal Manticoran Navy zu bauen - vermutlich gerade, weil die Liga eine deutliche Linie in der Außenpolitik so frappierend vermissen lässt, vermochte sie Erewhon nicht die nötige Zuversicht einzuflößen.
Zwar gibt es im Ligagebiet keinen zentralen Nexus, aber wenigstens fünf Termini fremder Wurmlochknoten. Wo immer möglich, hat die Liga den Nexus am Ende dieser Wurmlöcher aus verteidigungsstrategischen Gründen in ihre Gewalt gebracht, auch wenn derartige Flottenaktionen der Ligapolitik eigentlich wiedersprechen. Gewalt im Sinne des Wortes war in den allermeisten Fällen auch gar nicht nötig, weil die Liga genug wirtschaftliche und industrielle Anreize bietet, dass die meisten Koloniewelten eine Ligamitgliedschaft bereitwillig annehmen.
Der allerwichtigste Wurmlochknoten, der nicht unter solaren Protektorat steht, ist der Knoten im Manticore-System. Historisch unterhielt Manticore immer sehr freundliche Beziehungen zur Liga, ohne den Wunsch zu verspüren, sich der solaren Bürokratie zu unterwerfen. Die hohen Einnahmen, die der Handelsverkehr durch den Knoten erbringt, machen die Verlockungen der Liga für Manticore nicht sonderlich attraktiv, zumal die beständig wachsende Bevölkerung auf den drei manticoranischen Welten zur Unabhängigkeit entschlossen ist und im Gegensatz zu mancher Kolonie nicht ums Überleben kämpfen muss. In den letzten 30 Jahren indes hat sich aufgrund des drohenden Konflikts mit Haven eine unverkennbare Anspannung in den Dialog zwischen Manticore und der Solaren Liga geschlichen. Nichts fürchtet das Sternenkönigreich mehr als eine Situation, in der die Haveniten plötzlich in der Lage sind, fortschrittliche Technik aus der Liga zu kaufen und damit ihre taktische Unterlegenheit gegenüber der Royal Manticoran Navy auszugleichen. Um zu verhindern, dass diese Situation eintritt, sah die Regierung Cromarty auf Manticore sich gezwungen, Druck auf den Ministerrat auszuüben, der die Liga zu einem Technikembargo bewegen sollte. Zwar war der manticoranische Premierminister erfolgreich, doch zog dies eine Verschärfung der Lage mach sich.
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5. Anderman Reich
Das andermanische Reich wurde 1600 PD von einem Sölder namens Gustav Anderman gegründet. Er beschloss mit seinem eigenen Reich in den Ruhestand zu gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Westentaschenimperien, die im Laufe der sechs bis sieben Jahrhunderten gebildet hatten, hielt das Anderman Reich zusammen. Man vermutet, dass dies auch damit zusammenhängt, dass die Dynastie fähige Herrscher hervorgebracht hat, wenn auch einige recht eigenwillig waren. So hielt sich der Gründer des Reiches für eine Reinkarnation Friedrichs des Großen von Preußen und war davon so überzeugt, dass er in einem Kostüm aus der Zeit von Friedrich herumlief. Gustav IV. begann sogar, sich mit seinem Rosenstrauch zu unterhalten. Als er dann seinen Strauch zum Kanzler ernennen wollte, artete es den Andermanern, oder auch kurz Andies, aus und sie entfernten unauffällig den Kaiser. Doch damit ergaben sich Probleme bei der Thronfolge. Der Thron konnte nur an männliche Nachkommen vererbt werden und da Gustav VI. der einzige Sohn seiner Eltern und kinderlos war, bahnte sich ein Erbfolgekrieg unter den Cousins an. Gustavs älteste Schwester machte unter Zuhilfenahme einer juristischen Fiktion aller Torheit ein Ende, lies sich von der Reichsversammlung zum Mann erklären und krönte sich als Gustav VII. Achtunddreißig T-Jahre saß sie auf dem Thron und viele behaupten, sie sei der beste Herrscher des Reiches gewesen.
Trotz dieser Eigenarten hatte das Haus Anderman seinem Volk immer gut gedient. Zum einen waren die Andermans so klug, ihren diversen Eroberungen ein großes Maß an lokaler Autonomie zuzugestehen, und beweisen immer wieder ein beachtliches Gespür darin, sich Sonnensysteme herauszupicken, die schon aus dem einen oder anderen Grund in Schwierigkeiten steckten. Wie zum Beispiel die Republik Gregor im System von Gregor B. Das Regierungssystem war bereits unter der Last eines blutigen Bürgerkrieges zusammengebrochen, als die kaiserliche Flotte einmarschierte und den Frieden erklärte. Diese Neigung, Eroberte vor einem furchtbaren Schicksal zu erretten, ging bis auf Gustav I. und Potsdam zurück.
Bevor Gustav Anderman und seine Flotte in das System einmarschierte, war der spätere Planet Potsdam nach der chinesischen Gottheit der Gnade, Kuan Yin, getauft gewesen. Dadurch gehörte er zu den ironischsten Planetennamen überhaupt, denn die chinesischen Kolonisten des Planeten saßen in einer Falle, die ebenso tödlich war wie jene, welche die Vorfahren der Graysons fast das Leben gekostet hätte.
Wie auch die ursprünglich manticoranischen Siedler hatten die Kolonisten Kuan Yins Alterde verlassen, bevor das Warshawski-Segel den Hyperraum so sicher machte, dass auch Kolonisten-Schiffe ihn bereisen konnten. Im Kälteschlaf waren sie Jahrhunderte lang gereist, nur um nach der Ankunft festzustellen, dass die Vermessung eine Kleinigkeit am Ökosystem ihrer neuen Heimat vergessen hatte, ein Detail der Mikrobiologie: Kuan Yins Erdreich enthielt alle Mineralien und Nährstoffe, die irdische Pflanzen benötigen, aber die einheimischen Mikroorganismen bewiesen einen unbändigen Appetit auf terranisches Chlorophyll und vernichteten jede Ernte. Die Mikroorganismen beeinträchtigten weder die Kolonisten selbst, noch die irdischen Tierarten, die sie mitgebracht hatten, doch von der einheimischen Vegetation konnte sich kein irdisches Wesen ernähren, terranische Feldfrüchte ließen sich fast gar nicht anbauen, und die Erträge waren minimal. Irgendwie gelang es den Kolonisten zu überleben, indem sie endlos auf den Feldern schufteten, aber einige GrundnahrungsPflanzen waren vollkommen ausgelöscht worden. Dadurch ergaben sich furchtbare Mangelerscheinungen, und die Kolonisten fochten einen Krieg gegen die Mikrobiologie ihres Planeten, den sie nicht gewinnen konnten. Am Ende hatten sie im wahrsten Sinne des Wortes so viel an Boden verloren, dass sie nicht mehr bloß am Rand des Aussterbens standen, sondern bereits viele Tote zu beklagen hatten, und sie vermochten nichts dagegen zu unternehmen. Daher begrüßten sie die Eroberung ihrer Welt durch Anderman geradezu wie eine Hilfsexpedition.
Keine von Gustav Andermans Eigenarten stand seiner Befähigung als Verwalter im Wege, und er besaß ein außerordentliches Talent, Probleme begrifflich zu erfassen und Lösungen zu finden. Außerdem verfügte er über die Gabe, die Talente anderer Menschen zu organisieren und sie zum besten Nutzen einzusetzen. Im Laufe der folgenden zwanzig T-Jahre schaffte er moderne Mikrobiologen und Gentechniker herbei und löste das Problem, indem er terranische Feldfrüchte züchten lies, die über die ansässigen Mikroben nur lachen konnten (Durch Zufall erschufen dabei die Genetiker auch eine Traubensorte, die nur auf Potsdam wächst und einen bemerkenswerten Wein ergibt). Auf diese Weise vermochten die Bewohner zumindest nun sich und ihre Kinder zu ernähren, auch wenn Potsdam niemals eine Gartenwelt werden würde. Durch diesen Erfolg akzeptierten die Bewohner von Kuan Yin ihren Kaiser mehr als bereitwillig und wurden ihm sehr ergebene Untertanen. Als er starb, war Neu-Berlin das Zentrum eines Imperiums aus sechs Sonnensystemen, und seitdem war das Reich immer weiter angewachsen, manchmal sehr langsam und kaum spektakulär, aber unaufhaltsam.
So kann sich mittlerweile auch die Flotte des Andermanischen Reiches durchaus mit der RMN messen. Die Flotte ist etwa ein drittel kleiner als die der RMN und das Design der Schiffe unterscheidet sich in punkto Bewaffnung leicht von Schiffen der RMN.
Aufgrund der Vorfahren stammen die meisten andermanischen Bürger von Deutschen oder Chinesen ab. Die Amtssprache im Kaiserreich ist deutsch, ebenso wie die Rangbezeichnungen der Flottenangehörigen (siehe Marine / Ränge).
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6. Erewhon
in Vorbereitung
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7. Silesianische Konföderation
Viel ist über die Silesianische Konföderation bisher nicht bekannt. Zum Zeitpunkt um 1906 PD erinnerte die Konföderation eher an eine Reaktorkernschmelze, die sich im vollen Gang befand, denn an eine Sternennation. Die schwache Zentralregierung plagte sich mit abtrünnigen Separatistenbewegungen und Kriegsschiffe in der Flotte waren ständig Mangelware. Aus diesem Grunde erblühte das Piratentum in der Föderation enorm. Die Piraten waren stets darüber informiert, wo welche der wenigen Flottenschiffe eingesetzt wurden und suchten sich dementsprechend ihre Jagdgründe. Bis zum Krieg von Manticore gegen Haven, wurden Handelsschiffe von Schiffen der RMN beschützt. Doch nach Abzug der RMN in diesem Sektor, nahmen die Übergriffe der Piraten enorm zu.
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8. Masada
Die Bevölkerung des Planeten Masada im Endicott-System gehörte ursprünglich der Bevölkerung von Grayson an. Nach einem Konflikt kam es zur Abspaltung der beiden Parteien und die Wahren Gläubigen wurden ins Exil auf den Planeten Masada verbannt. Siehe auch Sternennationen: Grayson.
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